Zyklusorientiertes Arbeiten – ein Begriff, der zunehmend Aufmerksamkeit bekommt und in unseren Feeds aktuell regelmäßig auftaucht. Immer mehr Stimmen plädieren, den Menstruationszyklus als Ressource im Arbeitsalltag zu begreifen und zu integrieren. So forderte die Influencerin Carmen Kroll (@carmushka) kürzlich auf LinkedIn mehr Sensibilität – insbesondere von Männern. Schauspielerin Marie Nasemann entfachte eine Debatte, als sie zyklusorientierte Care-Arbeit auf den Tisch brachte.
Der Menstruationszyklus – ein Tabuthema
„Warum so zickig?“ oder „Du bist heute aber empfindlich.“ – mit Kommentaren wie diesen werden viele Frauen regelmäßig konfrontiert. Dabei wurde längst belegt, dass die Periode mehr bedeutet als ein paar anstrengende Tage im Monat. Eine Studie aus den Niederlanden zeigt: Knapp 81 % der Befragten berichten von verringerter Produktivität während der Menstruation – ausgelöst durch Symptome wie Unterleibsschmerzen, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme.1
Trotzdem ist die Periode in vielen Branchen und Unternehmen ein Tabuthema und wird als nervige Begleiterscheinung des Frauseins abgetan. Dabei steckt im Zyklus großes Potential: Er kann als Kompass dienen – für das eigene Leben und für den Arbeitsalltag.
Was bedeutet zyklusorientiertes Arbeiten?
Zyklusorientiertes Arbeiten geht weit über Periodenprodukte auf Toiletten hinaus. Für uns bedeutet es, bewusst auf unsere körperlichen und mentalen Bedürfnisse zu achten und sie in den Joballtag zu integrieren. Dass wir uns als ganzen Menschen mit zur Arbeit bringen dürfen, wie Dr. Miriam Stark es auf den Punkt bringt.2 Denn der weibliche Zyklus hat einen entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden, unsere Gedanken, Gefühle und damit auf unser Berufsleben. Kurz gesagt: er beeinflusst unsere Leistungsfähigkeit.
Wer diesen natürlichen Rhythmus versteht, kann
- seine Stärken gezielt einsetzen
- Überlastung vermeiden
- Projekte effektiver planen
- die Zusammenarbeit im Team verbessern.
Die vier Zyklusphasen und ihre Stärken
Um zyklusorientiert zu arbeiten, lohnt es sich, die einzelnen Zyklusphasen und ihre Stärken zu kennen:
Menstruationsphase – Zeit für Reflexion: Die ersten Zyklustage sind oft von Unkonzentriertheit und Reizbarkeit geprägt. Energie fehlt und oft kommen Schmerzen dazu. Ideal, um sich auf administrative Aufgaben, Planung oder Reflexion zu fokussieren.
Follikelphase – Kreativität & Umsetzung: Nach der Periode steigt die Energie. Teamarbeit und kreative Projekte gelingen jetzt besonders gut. Hervorragend für Arbeiten, die neue Ideen und Power brauchen.
Ovulationsphase – Leistungshoch: Der Eisprung bringt Höchstleistungen! Die Konzentration, die Stressresistenz und das Energielevel sind auf dem Höhepunkt. Die optimale Zeit für Netzwerken, Verhandlungen und Präsentationen.
Lutealphase – Struktur & Routinen: Energielevel und Kreativität sinken. Perfekt, um Organisatorisches oder Routineaufgaben zu erledigen. Neue Projekte sollten nach Möglichkeit verschoben werden.
Drei Tipps für den Start ins zyklusorientierte Arbeiten
- Beobachten: Achte bewusst auf dein Energielevel und Stimmung. Was brauchst du und was kannst du heute leisten? Notiere Muster am besten in einem Kalender oder in einer Zyklusapp.
- Priorisieren: Passe Aufgaben bewusst an dein aktuelle Energielevel an. Ist jetzt der richtige Moment für den unangenehmen Anruf? Oder ist heute eher der Tag für die Bearbeitung von Excel-Listen mit Musik auf den Ohren?
- Kommunizieren: Teile deinen Kolleg:innen mit, wie es dir heute geht, was du gut erledigen kannst und was du lieber abgeben möchtest. Ob du deine Zyklusphase nennst, ist dir überlassen.
Mehr Sensibilität im Team
Auch Nicht-Menstruierende profitieren vom Wissen über den Zyklus. Wer versteht, dass Energielevel schwanken können, zeigt mehr Empathie, plant Aufgaben realistischer und vermeidet Überlastung. So entsteht ein Arbeitsumfeld, das auf Gesundheit, Verständnis und Zusammenarbeit setzt – und allen zugutekommt.
Fazit: Zyklusorientierts Arbeiten als Zukunftsmodell
Der Menstruationszyklus ist kein Hindernis – er kann zum Leitbild für Produktivität und Wohlbefinden werden. Ein auf den Zyklus abgestimmtes Arbeiten kann neue Möglichkeiten für Einzelne, Teams und Unternehmen eröffnen. Wer den Rhythmus des Körpers respektiert, schafft eine Arbeitskultur, die gesünder, empathischer und leistungsfähiger ist.
Mehr zum Thema Frauengesundheit und zyklusorientiertem Arbeiten findest du hier:
1Schoep, Mark E et al. “Productivity loss due to menstruation-related symptoms: a nationwide cross-sectional survey among 32 748 women.” BMJ openvol. 9,6 e026186. 27 Jun. 2019, doi:10.1136/bmjopen-2018-026186 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6597634/
2https://mandyjochmann.com/tipps-zyklusorientiertes-arbeiten-start/
*Disclaimer: Nicht alle Menstruierenden sind Frauen und nicht alle Frauen menstruieren.
